Kanzelrede von Dr. Annekathrin Preidel am Reformationstag 2016

Präsidentin der Landessynode – Dr. Annekathrin Preidel. Foto: ELKB

Präsidentin der Landessynode – Dr. Annekathrin Preidel. Foto: ELKB

Kanzelrede der Präsidentin der Landessynode der ELKB Dr. Annekathrin Preidel

Reformationstag 2016 – St. Johannis/ Ansbach, Ansbach, 31. Oktober 2016

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit uns allen! Er, der da war, der da ist und der da kommt, öffne uns die Herzen und Sinne für das Wort seines Evangeliums! Amen.

Liebe Gemeinde!

Endlich ist es so weit! Wir biegen in die Zielgerade ein! Was 2007 begann und über zehn Themenjahre lang die Wirkungen der Reformation beleuchtete, mündet nun in das weltweit lang erwartete und vorbereitete Jubiläumsjahr.

Werfen wir einen Blick zurück an den Anfang des Reformationsjahrzehnts:

Es ist Ende Januar 2007. Der Rat der EKD hat zum Zukunftskongress nach Wittenberg geladen. Allerdings kann in der traditionsreichen Schlosskirche, kein Gottesdienst gefeiert werden. Zu sehr hat das Sturmtief „Kyrill“ sie gebeutelt. Eine Turmspitze und einige Balken sind ins Kirchendach eingedrungen. Dabei ist die Wittenberger Schlosskirche eigentlich sturmerprobt. Auch wenn die Wucht der Hammerschläge Martin Luthers am 31. Oktober 1517 durch protestantische Verklärung immer ohrenbetäubender wurde und der Thesenaushang selbst eine unspektakuläre Angelegenheit gewesen sein dürfte, so ist die Wittenberger Schlosskirche doch der Ort einer Weltbilderschütterung. In der für das Festjahr frisch renovierten und vor wenigen Wochen erst wieder eingeweihten Schlosskirche war der Lufthauch des Geistes der Veränderung erstmals spürbar. Er wurde zum Sturm und zum Rückenwind einer Kirche der Zukunft, die seither der Wind der Veränderung, der „Wind of Change“ antreibt, den die „Scorpions“ im Jahr 1989 an einem anderen Wendepunkt der Geschichte besangen.

Der Song „Wind of Change“ des Sängers Klaus Meine, die Hymne der Wende, ist eine der erfolgreichsten Singles aus deutscher Produktion. Vielleicht haben Sie die Melodie sogar im Ohr. Auch wenn sich die Schönheit des englischen Textes in der Übersetzung verliert, versuche ich dennoch, die faszinierendsten Passagen ins Deutsche zu übertragen.

„Take me / to the magic of the moment on a glory night“ hieß es in einer der einprägsamsten Zeilen des Liedes: „Führe mich / zum Zauber des Augenblicks / in einer Nacht der Herrlichkeit / in der die Kinder von morgen ihre Träume teilen / mit dir und mir / in der die Kinder von morgen sich hinwegträumen / im Wind der Veränderung / der der Zeit ins Gesicht bläst / wie ein Sturm / der die Glocke der Freiheit erklingen lässt / auf dass Friede werde / Friede des Geistes. / Führe mich / zum Zauber des Augenblicks / in einer Nacht der Herrlichkeit.“

Der Song der Scorpions ist ein Freiheitspsalm. Und die Hymne der Wende von 1989 ist zugleich eine Hymne der Reformation. Denn der Wind der Veränderung, der uns fünfhundert Jahre nach Luthers Thesenanschlag den Rücken für künftige Veränderungen stärkt, blies vor fünfhundert Jahren der damaligen Zeit und der damaligen Kirche ins Gesicht. Der Song „Wind of Change“ ist es also wert, in einer Kanzelrede am Reformationstag zitiert zu werden.

Lassen Sie mich aus gegebenem Anlass etwas pathetisch werden, damit der historische Augenblick des Reformationsjubiläums mit der Hymne der Wende zusammenstimmt: Auch die Hammerschläge an der Wittenberger Schlosskirche ließen die Glocke der Freiheit erklingen und die Kinder des Spätmittelalters sich hinwegträumen in eine neue Zeit der Kirche und der Gesellschaft. Der Geist der Veränderung wurde zum Motto der Reformation: Es galt und es gilt seit 1517, die Kirche immer wieder und immer neu zu verändern. Ecclesia semper reformanda!

Als evangelisch freie Christenmenschen und als Protestanten und Protestantinnen gegen eine Kirche, welche die Zeichen der Zeit verschläft, halten wir viel auf dieses Motto. Ecclesia semper reformanda! Das bedeutet aber auch gleichzeitig, immer wieder auch zum Stein des Anstoßes zu werden, denn Veränderung geschieht nicht von selbst. Sie muss angestoßen werden, damit der Stein ins Rollen kommt und – um Martin Luther zu zitieren – „den Himmel (zu) stürmen und die Welt in Brand (zu) setzen.“ In Brand: mit dem Feuer des Evangeliums, dessen Flammen uns nicht zerstören, sondern uns spüren lassen, dass Gott – wie Luther gesagt hat – ein glühender Backofen voller Liebe ist.

Aber seien wir ehrlich zu uns selbst: Ist uns dieser Geist der Dauerveränderung nicht zu riskant und zu anstrengend?

Nimmt er uns nicht sämtliche Stabilität und Sicherheit?

Wäre es nicht fünfhundert Jahre nach der Reformation für die Kirche an der Zeit, den Menschen wieder eine spirituelle Heimat und geistliche Geborgenheitsräume zu geben?

Sollte also das Motto einer Kirche des Gottvertrauens nicht vielmehr sein: Ecclesia semper idem? Kirche immer gleich und allzeit dieselbe statt Kirche immer neu? Wäre das nicht menschenfreundlicher und evangelischer und wirklich eine gute Nachricht für eine christliche Kirche, die mit Traditionsabbrüchen und Kirchenaustritten zu kämpfen hat und deren Mitglieder sich manchmal nach dem guten alten christlichen Abendland zurücksehnen?

Wem der Wind of Change all zu heftig ins Gesicht bläst, kann ja durchaus auf den Gedanken verfallen, ihm den Rücken zuzukehren, eine Kehrtwende zu vollziehen und sich auf den Rückweg zu machen

Das Wesen der Reformation, liebe Gemeinde, besteht darin, dass sie den Geist der Veränderung und den Geist der Rückkehr zum Urvertrauten verbindet! Es wäre ein krasses Missverständnis, die Kirche der Reformation als Kirche zu verstehen, die ihr Fähnchen unentwegt nach dem Wind hängt, jedem Zeitgeist hinterher rennt und ihre Mitglieder unter permanenten Veränderungsstress setzt. Als wäre Veränderung ein Wert an sich! So sehr die Reformatoren spürten, was an der Zeit war, so sehr verdankt sich ihre Geistesgegenwart der Sensibilität für den Geist Jesu Christi. Die Reformatoren wurden dadurch zu Hebammen einer neuen christlichen Kirche, dass sie sich auf das uralte Wort Gottes zurückbesannen, dass der Gerechte aus Gnade lebt und dass wir wie Bäume, gepflanzt an Wasserbächen, in Gottes Wohlwollen wurzeln, aus dem uns nichts und niemand herausreißen kann.

Als Martin Luther seine geistliche Identität gefunden hatte, weil er sich in der Unerschütterlichkeit der Barmherzigkeit und Liebe Gottes geborgen wusste, konnte ihn nichts mehr erschüttern. Durch die Lektüre des Evangeliums ging ihm das Licht der Liebe Jesu Christi, des Herrn der Kirche auf. Und so verlor er seine Angst vor den Herren der Kirche, vor den Herren der Welt, vor Tod und Teufel:

„Und wenn die Welt voll Teufel wär / und wollt uns gar verschlingen, / so fürchten wir uns nicht so sehr, / es soll uns doch gelingen. / Der Fürst dieser Welt, / wie sau’r er sich stellt, / tut er uns doch nicht; / das macht, er ist gericht’: / ein Wörtlein kann ihn fällen.“

Jesus Christus, derselbe gestern, heute und in Ewigkeit ist der Motor und der Grund aller Veränderung der Kirche. Weil er der Rückenwind seiner Kirche ist, kann sie getrost in Richtung Zukunft gehen, auch wenn ihr der Wind der Veränderung noch so sehr ins Gesicht bläst und noch so sehr zu schaffen macht. Und weil er, Jesus Christus, der Rückenwind seiner Kirche ist, muss sie sich immer wieder verändern, darf aber auch getrost sein, dass sie in diesen Veränderungen nicht allein ist. Wenn sich die Kirche wirklich von Christus antreiben lässt, muss sie sich immer wieder selbstkritisch fragen, ob sie sich nicht durch den Erhalt liebgewonnener Strukturen und Gewohnheiten vor ihm und vor dem Windhauch seines Geistes in Sicherheit zu bringen sucht. Es könnte ja sein, dass eine Kirche, die sich selbst genügt und getreu dem Motto „Das haben wir schon immer so gemacht!“ handelt, gerade nicht die Kirche Jesu Christi ist. Also: die wahre Veränderung der Kirche geschieht nicht um des Prinzips Veränderung, sondern um Christi willen. Jesus Christus ist das Prinzip einer Kirche, die, wenn es an der Zeit ist, immer wieder neu werden und sich auf ihren uralten, tragenden Grund zurückbesinnen muss. Aber auch Letzteres heißt nicht, dass die Kirche Traditionen um der Traditionen willen pflegen darf. Bekanntlich ist Tradition nicht die Anbetung der Asche, sondern die Bewahrung des Feuers – im Falle unserer Kirche die Bewahrung des Feuers des Geistes Gottes, der die Welt verändert.

„Ja, aber …!“ Schaffen wir das wirklich? Ist so viel Veränderung wirklich gut für uns? Lauern nicht zu viele Gefahren in der Zukunft? Wo kämen wir denn da hin, wenn wir zu viel riskieren und uns so sehr für fremde und ungewohnte Gedankenspiele begeistern, dass wir Kirche neu denken? Wo kämen wir denn da hin, wenn wir vorausdenken statt nachtrauern würden und uns nicht als Kirche im Sinkflug begreifen, sondern zu Höhenflügen der Hoffnung ansetzen? Wo kämen wir denn da hin? Wer weiß, vielleicht kämen wir mitten ins Reich Gottes! Vielleicht würden wir, wenn wir Christinnen und Christen aus Gottvertrauen furchtlos geworden wären, unserem Namen und dem Namen Jesu Christi endlich alle Ehre machen!

Vor einigen Monaten kam die Kirchenleitung unserer Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern zu einer Konferenz in der Evangelischen Akademie Tutzing zusammen. Es war der offizielle Start für den Zukunftsprozess unserer Landeskirche. Wir begannen, darüber nachzudenken, wie wir als Kirche aus unserer spirituellen Mitte heraus den Herausforderungen der Zukunft begegnen könnten. Denn als Kirchenleitung hatten wir beschlossen, inmitten der fetten Jahre an die mageren Jahre zu denken und kreativ zu werden, solange es noch Spielräume dafür gibt.

Die Tutzinger Tagung wurde trotz vieler Fragezeichen und trotz großer Unsicherheit, auf welchen Weg wir uns da als Kirchenleitung begeben würden und ob da nicht etwa Steine im Weg liegen würden, an denen wir uns stoßen könnten, zu einem inspirierenden Ereignis.  Ich fühlte mich in Tutzing in die alttestamentliche Erzählung aus 4. Mose 13 hineinversetzt. Moses sendet in der Wüste Kundschafter aus, um das Land Kanaan zu erkunden, das Gott den Israeliten versprochen hat. Er gebietet: ihnen: „Geht über die Berge und seht euch in dem neuen Land um! Berichtet uns über die Zukunftsaussichten und die Lebensgrundlagen dort!“ Als die Kundschafter zurückkehren, bringen sie zum Beweis für die Fruchtbarkeit dieses Landes Früchte mit: Trauben, Granatäpfel und Feigen. „Vor uns“, so sagen sie, allen voran Kaleb, „liegt wirklich ein Land, in dem Milch und Honig fließen!“ Aus einigen wenigen Früchten schließen die Israeliten auf ein paradiesisches Land! Das nenne ich Gottvertrauen! Die Kundschafter hätten ja auch ganz anders denken und sagen können, im Land Kanaan lauere nur Gefahr, und mehr als eine lausige Weinrebe, ein paar erbärmliche Früchte und den sicheren Untergang gebe es im Land der Zukunft Israels nicht zu holen. Sie hätten gemäß der Logik des „Ja, aber …!“ argumentieren und sagen können, sie seien zwar mit heiler Haut von ihrer Expedition in die Zukunft zurückgekehrt, aber das ganze Vorhaben sei doch zum sicheren Scheitern verurteilt. Und in der Tat berichtet 4. Mose 13, 31 bis 14, 2 denn auch von dem großen Murren, das sich im Volk erhebt und das ja auch uns nicht ganz fremd ist, die wir manchmal skeptisch in die Zukunft blicken und vom Gedanken beschlichen werden: „Wir schaffen das nicht.“ Auch die Männer, die mit Kaleb ins verheißene Land hinaufgezogen waren, sagen: „Wir schaffen das nicht.“ In der biblischen Erzählung sprechen sie voller Angst und Resignation: „Wir vermögen nicht hinaufzuziehen gegen dieses Volk; denn sie sind uns zu stark.’ Und sie brachten über das Land, das sie erkundet hatten, ein böses Gerücht auf unter den Israeliten und sprachen: ‚Das Land, durch das wir gegangen sind, um es zu erkunden, frisst seine Bewohner, und alles Volk, das wir darin sahen, sind Leute von großer Länge. Wir sahen dort auch Riesen, und wir waren in unseren Augen wie Heuschrecken und waren es auch in ihren Augen. Da fuhr die ganze Gemeinde auf und schrie, und das Volk weinte die ganze Nacht. Und alle Israeliten murrten gegen Mose und Aaron, und die ganze Gemeinde sprach zu ihnen: ‚Ach, dass wir in Ägyptenland gestorben wären oder noch in dieser Wüste stürben!“ So, liebe Gemeinde, entstehen Dämonen. Die Dämonen, gegen die Martin Luther kämpfte und nach denen er sein Tintenfass warf. So entstehen die Dämonen, die uns den Mut zum Leben nehmen und uns den Atem rauben. So entsteht das Gefühl, dass uns ein Sturm ins Gesicht bläst, dem wir nicht zu trotzen vermögen, weil wir inmitten seines Tobens kaum mehr Luft holen können.

Obwohl Raum für Neues ist, obwohl vor uns ein Land liegt, das vielleicht üppige Früchte trägt, lassen wir alles beim Alten. Wir erzählen die Geschichten des „Ja, aber …!“ und treiben uns so lange den Mut aus, bis unser negatives Denken zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird.

In Tutzing ging es den Mitgliedern der Kirchenleitung anders. Es gelang uns, von den Geschichten des „Ja, aber …!“ zu schweigen und uns an den jenen Kundschaftern des 4. Mosebuches zu orientieren, die ihr Glaube andere Geschichten erzählen und eine andere Logik der Dinge erkennen ließ.

Wir spürten einen Hauch des Wind of Change der Scorpions, welcher auch bei dem Theologen Karl Barth, dem Mitverfasser der Barmer Theologischen Erklärung von 1934, die wir als bayerische Landeskirche uns gerade neu vergegenwärtigen, hörbar ist. Er hat in einer Vorlesung des Jahres 1946 die Aufgabe der Verkündigung des Evangelium beschrieben: Verkün­diget das Evan­gelium aller Kreatur!‘ Die Kirche läuft wie ein He­rold, um die Bot­schaft aus­zurichten. Sie ist“, so Karl Barth, „nicht eine Schnecke, die ihr Häuslein auf dem Rücken hat und der so wohl darin ist, dass sie nur dann und wann ihre Fühler ausstreckt und dann meint, nun sei dem ‚Öffentlichkeitsanspruch‘ Ge­nüge getan! Nein, die Kir­che lebt von ihrem Heroldsauftrag … Wo Kir­che lebt, da muss sie sich fra­gen lassen, ob sie diesem Auftrag dient oder ob sie Selbstzweck ist? Ist das Zweite der Fall, dann fängt es in der Regel an, ‚sakral‘ zu schmecken, zu frömmeln, zu pfäffeln und zu muffeln. Wer eine feine Nase hat, der wird das riechen und schrecklich finden! Das Chri­stentum ist nicht ‚sakral‘, son­dern in ihm weht die frische Luft des Gei­stes. Sonst ist es nicht Chri­sten­tum. Es ist eine ganz und gar ‚weltli­che‘ Sache: offen zur Mensch­heit hin …  Es geht um etwas Größeres als um un­ser bisschen Predigt und Liturgie. Es geht um die Hoffnung auf das Reich Gottes. Neben dieser christlichen Hoffnung, die das Re­volutio­närste ist, was man sich denken kann, sind alle anderen Revolutionen nur Platz-Patrönchen.“

Es geht also, liebe Gemeinde, um etwas Größeres als um Kirchenleitung, Kirchenverwaltung und Kirchenerhaltung. Es geht um Jesus Christus. Er allein, nicht Reformen oder Reförmchen, ist unsere Hoffnung. Er, der Auferstandene, ist unsere Zukunft. Er gibt uns Mut! Mut zur Hoffnung und Mut zur Veränderung!

Und war dieser Mut zur Veränderung nicht auch unlängst spürbar, als im Sommer letzten Jahres viele ihren Augen nicht trauten und sie sich selbst nicht wiedererkannten, weil ihnen die Not der Menschen, die aus ihren Heimatländern vor Krieg und Gewalt zu uns flohen, näher war als ihre eigenen Vorurteile? Da war er plötzlich, der „Wind of change“!  Da gelang es unserer Kirche unbürokratisch, spontan und flexibel zu sein. Ehe unsere Bundeskanzlerin „Wir schaffen das!“ propagierte, sagten wir: „Wir schaffen Herberge!“ Die Synode stellte außerordentlich Haushaltsmittel zur Verfügung und die sogenannte AG Herberge sorgte aufmerksam für die effektive Verwendung dieser Mittel. Da ging es nicht nur um ein Dach über dem Kopf, sondern um das Öffnen von Türen, um Begleitung und Geborgenheit. Die ehrenamtlichen Unterstützernetzwerke wurden gestärkt. Vielen Menschen wurde und wird geholfen. Es geht doch!

Halten wir also unsere Nasen und Sinne auch weiterhin in den Wind der Veränderung. Er weht uns nicht fort von allen sicheren Häfen, sondern in die Arme Jesu Christi!

Möge dieser Jesus Christus uns zum Zauber Magie des Augenblicks und in Nächte und Tage der Herrlichkeit führen, in denen die Kinder von morgen ihre Träume teilen mir dir und mir, in der die Kinder von morgen sich hinwegträumen im Wind der Veränderung, der der Zeit ins Gesicht bläst wie ein Sturm, der die Glocke der Freiheit erklingen lässt, auf dass Friede werde, Friede des Geistes, Friede auf Erden.

Und dieser Friede, der Friede Gottes, der höher und tiefer ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

Predigten von Prof. Dr. Peter Zimmerling, Bachwoche Ansbach 2015

Im Rahmen der Bachwoche 2015 hat Prof. Dr. Peter Zimmerling, Leipzig, die hier als PDF zum Download bereitgestellten Predigten in den Andachten „Bach am Morgen“ gehalten:

„Verschiedene Arten von Vertrauen“ – Vortrag von Oswald Bayer im Rahmen der Lutherdekade

Im Rahmen der Lutherdekade hat Prof. Dr. Oswald Bayer, Professor em. für systematische Theologie in Tübingen einen Vortrag in der Schwanenritterkapelle gehalten zu dem Thema: „Vertrauen“. Wir stellen das Manuskript an dieser Stelle zum Download bereit.

Vertrauen bei Luther*, © Oswald Bayer

*Erstvortrag vor der Melanchthon-Akademie Köln am 20. Februar 2014.

 

Regionalbischof Christian Schmidt in St. Gumbertus von seinen Aufgaben entpflichtet

Am 6. Januar 2014 wurde Regionalbischof Christian Schmidt in St. Gumbertus von seinen Aufgaben entpflichtetAm Epiphaniasfest, 6. Januar 2014, wurde Regionalbischof Christian Schmidt in einem festlichen Gottesdienst in St. Gumbertus von seinen Aufgaben entpflichtet und herzlich in den Ruhestand verabschiedet. Zahlreiche Gäste waren in die gut gefüllte Kirche gekommen und erlebten einen musikalisch reich ausgestalteten Gottesdienst. Dabei sangen beispielsweise die Vokalensemble Gaudium Domini und Vocativ den extra für diesen Gottesdienst vertonten Psalm 121 und an der Orgel spielte erstmals der neue Stiftskantor Karl Friedrich Meyer.

In seiner Predigt betonte Schmidt, die Kirche habe sich immer wieder zu reformieren in einer gezielten Hinwendung zu Jesus Christus. Seine Gedanken unterstrich er mit einem selbst getexteten Gemeindelied: „Ecclesia semper reformanda“.

Zahlreiche Grußredner würdigten Schmidt denn auch für seine Gaben, gerade für seine liturgischen, homiletischen und poetischen Talente, die er in reich ausgestalteten Gottesdiensten zeigte. Seine gereimten Predigten in fränkischer Mundart seien legendär. Schmidt wird zwar in den Ruhestand gehen, doch Vorsitzender der lutherischen liturgischen Konferenz in Bayern sowie Prior des von ihm mitbegründeten Evangelischen Kloster-Konvents Heilsbronn bleiben.

Fotos: elkb/Breit

Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas – mal ein wenig YouTub(e)ig aufbereitet

Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern

Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern

Die Landeskirche (www.bayern-evangelisch.de/weihnachten/) macht uns ein besonderes Geschenk zu Weihnachten. Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas in einer besonderen Darbietung. Lassen Sie sich von diesem kleinen Film hineinnehmen in die Zeit und die Umstände von Jesu Geburt. Erfahren Sie mehr von Engeln und dem Wunder von Weihnachten. Und wenn Ihnen der Film gefallen hat, dann binden Sie ihn gerne auch in Ihrer Homepage ein. Weiterverschenken ist hier ausdrücklich erlaubt!

 

KMD Rainer Goede entpflichtet – Oratorium „Die letzten Dinge“ in Gumbertus

Aufführung des Oratorium "Die letzten Dinge" von Louis Spohr am 31. Oktober 2013

Aufführung des Oratorium „Die letzten Dinge“ von Louis Spohr am 31. Oktober 2013

Am 31. Oktober 2013 führte KMD Rainer Goede in St. Gumbertus mit „Die letzten Dinge” von Louis Spohr (1784-1859) sein letztes Oratorium unter der Mitwirkung der Ansbacher Kantorei, dem Ansbacher Kammerorchester,  Nürnberger Holzbläserensemble und Onoldia-Brass wie Ehemaligen der Ansbacher Jugendkantorei auf. Die Solisten waren Sabine Rusam (Sopran), Renate Kaschmieder (Alt), Andreas Post (Tenor) und Thomas Gropper (Bass).

Empfang in der Karlshalle zur Verabschiedung von KMD Rainer Goede

Empfang in der Karlshalle zur Verabschiedung von KMD Rainer Goede

Im Anschluss an das Oratorium kamen mehr als 200 Gäste in die Karlshalle zum Empfang des Dekanates. Onoldia-Brass, Thomas Gropper, Sabine Rusam, Renate Kaschmieder und Michael Goede, das Ansbacher Kammerorchester und die Ansbacher Kantorei sorgten für die musikalische Ausgestaltung. Dankes- und Grußworte wurden von Dekan Hans Stiegler, Pfarrer Dr. Dieter Kuhn, KMD Klaus Wedel (Verband ev. KirchenmusikerInnen in Bayern), Bürgermeister Werner Forstmeier (Stadt Ansbach), Johannes und Barbara Rauh (für die katholischen Kirchengemeinden), Dr. Gerhard Schorndanner (Kammerorchester), Dr. Gottfried Held (Kantorei) und Karsten Wagner (für die Orgelschüler) gehalten. Für die heitersten Momente sorgte die Einlage der Organistinnen Ulrike Koch und Ulrike Walch, die als „Putzfrauen von St. Gumbertus und St. Johannis“ das Leben und Wirken von Rainer Goede in kabarettistische Worte fassten.

Entpflichtung von KMD Rainer Goede durch Dekan Hans Stiegler

Entpflichtung von KMD Rainer Goede durch Dekan Hans Stiegler

In einem Festgottesdienst in St. Johannis am 1. November 2013 wurde KMD Rainer Goede im Beisein seiner Familie von Dekan Hans Stiegler und Regionalbischof Christian Schmidt von seinem Dienst entpflichtet. Dekan Stiegler sprach bei der Entpflichtung beim Kürzel “i.R.” eher von „in Reichweite” als von “im Ruhestand”. Rund 100 SängerInnen aus der Ansbacher Kantorei und  der ehemaligen Jugendkantorei begleiteten den Gottesdienst musikalisch. Sohn Michael Goede – Organist in Bochum an der Dorfkirche Stiepel – begleitete den Gottesdienst an der Orgel.

Ehemaligentreffen der Ansbacher Jugendkantorei auf Burg Wernfels im Anschluss an die Entpflichtung von KMD Rainer Goede

Ehemaligentreffen der Ansbacher Jugendkantorei auf Burg Wernfels im Anschluss an die Entpflichtung von KMD Rainer Goede

Für die Ehemaligen der Jugendkantorei folgte anschließend eine Fahrt auf die Burg Wernfels, die jahrzehntelang für Probenwochenenden per Fahrrad besucht wurde, um noch einmal in Erinnerungen schwelgen zu können. Zum Abschluss trafen sich im Speisesaal die JK`ler und die Ansbacher Kinderkantorei zu einem kleinen Ständchen – der Kinderchor feierte jüngst seinen 90. Geburtstag. Viele JK`ler waren einst auch im Kinderchor engagiert – so gesehen ein “Treffen der Generationen”. Eine Spende der Ehemaligen in Höhe von 500 Euro wurde der Ansbacher „Stiftung Kirchenmusik“ zugeführt.

Predigt über Joh 6,47-51, Lätare – von Pfarrer Dr. Kuhn vom Einführungsgottesdienst

Dr. Dieter Kuhn

Dr. Dieter Kuhn

Liebe Gemeinde,

es ist eine der ganz großen Erzählungen der jüdische und mit ihr der christlichen Kultur. Diese Erzählung bringt eines in aller Deutlichkeit und Klarheit zur Sprache: Die Befreiung des Volkes Israel aus der Gewaltherrschaft der Ägypter. Auf dieses Ereignis und vor allem auf die Erfahrungen, die Mose, Aron und das ihnen anvertraute Gottesvolk gemacht haben, bezieht sich der Evangelist Johannes. Er bezieht sich nicht nur auf den Exodus des Gottesvolkes, sondern zeigt die Erfüllung und Vollendung  dieses Geschehens   in Jesus Christus auf.

Wie hat alles begonnen? In großer Eile verließen sie das nicht immer ungeliebte Land. Eines aber vergaßen sie nicht: Das, was sie zum Leben unbedingt brauchten, nämlich Brot. „Auch sie backten aus dem rohen Teig, den sie aus Ägypten mitbrachten, ungesäuerte Brote; denn er war nicht gesäuert, weil sie aus Ägypten weggetrieben wurden“, so lesen wir es im 2. Mose.

Mit dieser Wegzehrung beginnt nun der Weg; der Weg des Volkes Gottes in die Freiheit; ein Weg, der sein Ziel und seine Vollendung hat in dem Land, in dem Milch und Honig fließt. Die Erzählung vom Auszug aus Ägypten galt zu allen Zeiten, vor allem bei den Mystikern, als eine Wegbeschreibung des Glaubens. Zum spirituellen Leben gehören die hellen und die schönen Zeiten, in denen Gott offenbar und ersichtlich ist. „Und der Herr zog vor ihnen her, am Tag in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten“, so wird diese Gotteserfahrung  im 2. Mose umschrieben und benannt. Aber, und dies gehört auch zum Weg des Glaubens, dass sich alles verdunkelt, dass weder nachts eine Feuersäule, noch am Tag eine Wolkensäule das Leben erhellt. Martin Luther, der große Meister des geistlichen Lebens erlebte und beschrieb diese Phase als Anfechtung. Gottes Gottheit steht hier in Frage. Wie schnell hatte man vergessen, dass es Jahwe, der Herr,  war, der sie aus Ägypten geführt hat, um sie auch aus der Herrschaft der heidnischen Götter zu befreien. Und nun macht man Mose den Vorwurf: „Haben wir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen.“ Jahwes Gott ist zutiefst in Frage gestellt – soll man nicht doch den anderen Göttern dienen? Gerade hier gilt, wahrhaft nicht nur für die aus Ägypten ausziehenden Hebräer, was der Reformator so gesagt hat: „…allein die Anfechtung lehrt aufs Wort merken“. Und dieses göttliche Wort ließ sie alle Zweifel an Gottes Gottheit, die Anfechtung hinter sich lassen. „Und der Herr sprach zu Mose: Was schreist du zu mir? Sage den Israeliten, dass sie weiterziehen“. Und sie zogen weiter, durchs Schilfmeer hindurch.  Ja, „die Anfechtung lehrt aufs Wort merken“ Gott wird hell und licht, ja Gottes Gegenwart wird als heilsam erfahren. Jetzt endlich können sie wieder singen und Gott loben. Aber es sollte so nicht bleiben. Wieder war es eine Wüstenzeit, eine Zeit des Zweifelns und des bohrenden Fragens. Warum müssen wir all das Leidvolle erleben? Was hat den Hebräern in dieser kargen Zeit geholfen, was hilft uns, unser Leben besser zu leben und zu meistern? Sie wollten aufgeben und klagten, murrten nur noch. Früher an den Fleischtöpfen Ägyptens war doch alles besser. Und wieder war es das treffende, das schöpferische, das göttliche Wort, das sie weiterbrachte. „Am Abend sollt ihr innewerden, dass der Herr euch aus Ägyptenland geführt hat und am Morgen werdet ihr des Herrn Herrlichkeit sehen“.  Am Abend sollt ihr Fleisch essen und am Morgen Brot. Fleisch und Brot werden sie in Hülle und Fülle haben. Und zugleich ist es der befreiende Gott, dessen Herrlichkeit sie sehen und erkennen können. Dieses großartige Gotteswort und die damit verbundene Erfahrung, die die in der Wüste zutiefst Angefochtenen gemacht haben, greift Johannes in seinem Evangelium auf. Nein er greift nicht allein Gottes heilsames Tun einfach auf, sondern erkennt, dass es sein Ziel, seine Erfüllung in Christus und seiner Gegenwart im Heiligen Abendmahl findet.

Die Israeliten haben ihre Anfechtung, ihre Angst, ihren Unglauben, ihre Zweifel, ihre Niedergeschlagenheit überwunden, indem sie Brot und Fleisch zu sich nahmen. Zugleich vernahmen sie die Gottheit  Gottes, also seine Herrlichkeit. So ergeht es uns Christenmenschen, wenn wir miteinander das Heilige Mahl feiern. Es ist das Mahl derer, die zur Freiheit der Kinder Gottes berufen sind. Als die Israeliten in großer Eile Ägypten verlassen haben, haben sie gewiss vieles nicht mitnehmen können, aber eines fehlte auf keinen Fall: Es war das Brot. So ist es auch bei uns Christen: Wenn wir den Weg des Glaubens, den Weg der Freiheit gehen, ist eines unbedingt notwendig: Brot und Wein ist uns Zeichen und reale Gegenwart des ewigen Gottes. Die Feier des Heiligen Mahles ist der Ort unseres Glaubens, wo wir Anteil gewinnen an der Ewigkeit Gottes.  Seit Anbeginn der Christenheit ist die Feier des Abendmahles Ausgangspunkt jeder christlichen spirituellen Kultur. Hier haben wir Anteil am Göttlichen, hier finden wir Trost angesichts unserer Endlichkeit, hier erleben wir die Gemeinschaft der Glaubenden, hier lebt Kirche.

Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus – die Predigt zum Nachlesen

Erinnern und Vergessen 1933 - 2013: Gedenkgottesdienst in St. Gumbertus

Erinnern und Vergessen 1933 – 2013: Gedenkgottesdienst in St. Gumbertus

Liebe Gemeinde,

der 27. Januar ist ein Tag der Erinnerung. Am Nachmittag des 27.Januar erreichten die Soldaten der Roten Armee in Südpolen das Fabrikgelände von Monowitz und die Lageranlagen von Birkenau und Auschwitz. Sie trafen auf 7000 erschöpfte und kranke Häftlinge – Frauen, Männer und Kinder. Die Täter waren alle geflohen.
Der Philosoph Jürgen Habermas versucht, zu begreifen, was sich da abgespielt hat, wenn er sagt: „In den Todeslagern ist etwas geschehen, was bis dahin niemand einfach für möglich gehalten hätte…Wenn Auschwitz möglich war, kann Auschwitz sich wiederholen…“
So ist dieser Tag ein Tag der Erinnerung an die Opfer und mit den Opfern eine Erinnerung an das Leben! Nur mit dieser Erinnerung kann verantwortliches Leben gelingen. Das möchte ich denen entgegnen, die sagen: „ Schon wieder Auschwitz! Kann denn nicht mal genug sein? Das ist 70 Jahre her “. » Weiterlesen

Bildergalerie zum Abschied von Pfarrer Friedrich Käpplinger

Am Sonntag Okuli, den 11. März 2012 wurde Pfarrer Friedrich Käpplinger in einem feierlichen Festgottesdienst, in der bis fast auf den letzten Platz gefüllten Gumbertuskirche, nach 34-jähriger Tätigkeit und segenreichen Wirkens in den Ruhestand verabschiedet. Anschließend gab es im Gemeindezentrum im Behringershof den Empfang. Wir haben mit der Kamera einige Eindrücke des Tages festgehalten (Fotos: Christine Meißler):

Pfarrer Heinrich Veh in den Ruhestand verabschiedet

In einem festlichen Gottesdienst am 24.07.2011 in der vollbesetzten Gumbertuskirche wurde Pfarrer Heinrich Veh nach über 30 Jahren im Pfarrdienst auf insgesamt 4 Pfarrstellen, zuletzt über 10 Jahre in der Ansbacher Kirchengemeinde St. Gumbertus, in den Ruhestand verabschiedet. „So wie Petrus auf Jesus vertraute, als er am hellen Tage an der tiefsten Stelle des Sees seine Netze auswarf, so dürften auch wir auf die immer wieder aktuelle Botschaft des Evangeliums vertrauen“, führte Pfarrer Veh in seiner Predigt aus und schloss mit dem Hinweis, dass er seinen ursprünglich erlernten Beruf noch einmal gewechselt hat und dass er den Schritt, Pfarrer zu werden, nie bereut habe.

An dem mit festlicher Kirchenmusik umrahmten Gottesdienst wirkten auch Kinder des Kindergartens „Lenauweg“ mit, der wie das dort angesiedelte Gemeindezentrum in seinen Zuständigkeitsbereich fiel.

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