Markgrafenfahnen

Markgräfliche Trauerfahnen frisch restauriert: nach langer Irrfahrt zurück in Ansbacher St.-Gumbertus-Kirche

(EVP) Die bewegte Geschichte der Ansbacher Trauerfahnen hat nach vierzig Jahren ein Ende gefunden. Ab Anfang der 1970er Jahre lagerten sie zum Teil in einfachen Kisten in Ansbach, München und Bamberg, ab sofort sind die Fahnen, fein säuberlich getrennt und frisch restauriert, auf der Empore der Ansbacher St.-Gumbertus-Kirche im klimatisierten Spezialschrank untergebracht. Angefertigt wurden die Fahnen für das Trauerzeremoniell des 1625 verstorbenen Markgrafen Joachim-Ernst von Brandenburg-Ansbach und des 1667 verstorbenen Albrecht V. von Brandenburg-Ansbach.

Die erhaltenen Fahnen sind circa 1,30 Meter hoch und drei Meter breit, die Wappen wurden zu damaliger Zeit aufgemalt. 1835 wurden sie in der Schwanenritterkapelle der Kirche St. Gumbertus an den Seitenwänden aufgehängt. 55 Jahre später existierten noch zehn markgräfliche Trauerfahnen sowie die Trauerfahnen Craft von Crailsheim und Jakob Hüffel. Um 1900 wurden sie durch das Einnähen zwischen zwei Tüllschichten repariert. Bis 1971 blieben die Trauerfahnen in der Schwanenritterkapelle, doch als der Mesner immer öfter Fusselreste am Boden fand, wurden die Fahnen abgehängt – und eine lange Reise begann.

Vier der Fahnen landeten beim bayerischen Amt für Denkmalpflege in München, danach zogen sie 1982 nach Bamberg ins Schloss Seehof um. Bis 2004 waren sie dort untergebracht, bevor sie ihr Weg in die Ansbacher Residenz führte. Die übrigen Fahnen waren zum Teil im markgräflichen Museum zwischengelagert. In einer großen Holzkiste ging es letztendlich nach St. Gumbertus zurück. Mittelfrankens Regierungspräsident, Dr. Thomas Bauer, sagte: „Eine Irrfahrt nach 40 Jahren von St. Gumbertus nach St. Gumbertus hat ein Ende gefunden.“

Der Pfarrer der Kirchengemeinde, Friedrich Käpplinger, ist froh, die historischen Stücke nun wieder bei Führungen zeigen zu können: „Die Totenfahnen halten die Erinnerung aufrecht, wie vor uns mit Sterblichkeit umgegangen worden ist.“ Er war es auch, der 2005 die Regierung von Mittelfranken bat, die Eigentumsverhältnisse klären zu lassen und die Totenfahnen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Am Rande einer Ausstellung traf Pfarrer Käpplinger auf den ehemaligen Regierungspräsidenten Karl Inhofer. Schnell sicherte er Käpplinger die Unterstützung der Regierung von Mittelfranken zu. Letztendlich sind, sechs Jahre später, beide Ziele erreicht worden: Es stellte sich heraus, dass der Freistaat Bayern Besitzer der Totenfahnen ist und sie ab sofort besichtigt werden können.

Zweieinhalb Monate dauerte die Restaurierung der Totenfahnen. Magdalena Verenkotte-Engelhardt und Corina Meier, beide freiberuflich als Textilrestauratorinnen tätig, richteten sich ihre Werkstatt in der Fürstenloge auf der Empore ein. So waren die Fahnen nur wenige Meter von ihrem späteren Verwahrungsort, dem klimatisierten Spezialschrank, entfernt. „Verschmutzt, verstaubt und verschimmelt“, beschreibt Magdalena Verenkotte-Engelhardt den Zustand der Fahnen vor deren Restaurierung, die mit dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Bauamt abgestimmt war. Trotzdem war die Restauratorin überrascht, dass noch so viel von den Trauerfahnen erhalten war – und das, obwohl sie schon Hunderte Jahre auf dem Buckel haben.

Mit einem Spezialsauger wurden Schmutz, Staub und Schimmel quadratzentimeterweise entfernt. Danach wurden die Wappen mit einer Malschicht und einem transparenten Gaze gesichert. Sie sei mit großem Respekt und sehr viel Vorsicht an die Aufgabe herangegangen, sagt Restauratorin Meier, denn von ihrer Arbeit hänge viel ab.

Diane Mayer, Gemälderestauratorin

Die historisch bedeutenden Trauerfahnen befinden sich auf der Empore zwischen Fürstenstand und Schwanenritterkapelle. Die PDF-Datei (1,8 MB), die Sie hier ansehen können, befinden sich ausgedruckt in Orginal dort zur Erläuterung der im großen Fahnenschrank befindlichen Totenfahnen, direkt neben den zugehörigen Fahnenstangen:

 

 

Rede (Manuskript) von Regierungspräsident Dr. Thomas Bauer bei der öffentlichen Präsentation der Totenfahnen der Markgrafen zu Brandenburg-Ansbach am 30.03.2011 in Ansbach:

Sehr geehrte Gäste, meine sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich sehr, Sie heute in der Schwanenritterkapelle in St. Gumbertus begrüßen zu können. Schön, dass Sie gekommen sind, auch wenn für die nicht vollständig Eingeweihten unter Ihnen die Einladung zur Präsentation der Totenfahnen der Markgrafen zu Brandenburg-Ansbach vielleicht eher ein Rätsel aufgegeben hat.

Die öffentliche Präsentation der Totenfahnen der Markgrafen berührt Belange des Staates, der Stadt und der Evangelischen Kirche in Ansbach. Ich freue mich aus allen drei Bereichen maßgebliche Vertreter zu der heutigen Veranstaltung begrüßen zu dürfen. Für die Evangelische Kirche begrüße ich namentlich Herrn Regionalbischof Schmitt, Herrn Dekan Stiegler, Herrn Pfarrer Käpplinger, für die Stadt Ansbach Frau Oberbürgermeisterin Seidel und für den Freistaat Bayern Herrn Staatsminister a. D. Maurer und Herrn Generalkonservator Prof. Dr. Greipl. Meine sehr geehrten Damen und Herren, seien Sie ebenso wie die weiteren Vertreter aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft herzlich willkommen.

Vielen Dank auch der Kirchengemeinde St. Gumbertus, die uns heute die Räume für diese Veranstaltung und weiterhin auch für die Aufbewahrung der Fahnen selbst zur Verfügung stellt. Die Schwanenritterkapelle selbst hat ja durchaus mit den Totenfahnen der Markgrafen zu Brandenburg-Ansbach zu tun und sie schon für einige Jahrzehnte beherbergt – dazu jetzt einiges mehr.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

die Geschichte der Totenfahnen der Markgrafen zu Branden-burg-Ansbach beginnt vor 386 Jahren 1625 mit dem Tod des Markgrafen Joachim Ernst von Brandenburg-Ansbach. Anlässlich seines Staatsbegräbnisses wurde ein Satz sogenannter Trauer- oder Totenfahnen angefertigt, die jede für sich auf schwarzem Stoff ein Lehen des Verstorbenen wiedergaben, zusätzlich noch die sog. Blutfahne als Ausdruck der Hoch- oder Halsgerichtsbarkeit. Sie entspricht dem Regalienfeld eines Wappen und symbolisiert neben dem Recht über Leben und Tod auch andere souveräne Herrschaftsansprüche wie Steuereintreibung, Gebietshoheit oder das Jagdrecht.

Die Fahnen wurden noch einmal, nämlich beim Leichenkondukt, d. h. dem feierlichen Geleit des Sarges von der Aufbahrungshalle zur Grabstelle, für den 1667 verstorbenen Markgrafen Albrecht V. von Brandenburg-Ansbach mitgeführt. Während der Leichenkondukt von 1625 noch zur Grablege der Hohenzollern in Franken, ins Heilsbronner Münster, führte, wo von 1297 bis 1625 die Mitglieder des Herrscherhauses bestattet wurden, ging der Zug 1667 in die damalige Hofkirche St. Johannis. Wenige Jahre zuvor, 1631, war die Grablege nach den schweren Verwüstungen, die das Mausoleum im Dreißigjährigen Krieg erfahren hatte, von Heilsbronn nach Ansbach verlegt worden. Seit den 1970er Jahren wird die Grablege weiter nach St. Gumbertus verlegt. Wir befinden uns gerade unmittelbar darüber.

Die Fahnen sind neben anderen Objekten in Zeichnungen festgehalten im Silicernium Gumbertinum von 1747. Von den dort abgebildeten Fahnen sind heute folgende Lehenswappen nicht mehr erhalten: Magdeburg, Pommern, Wenden, Crossen, 
Jägerndorf, Burg Nürnberg und Halberstadt.

Wenn wir einen weiten Zeitsprung ins Jahr 1971 machen, dann stoßen wir vor allem auf schwarze Flusen. 1971 hingen die Fahnen noch hier an den Wänden der Schwanenritterkapelle und sie hatten in den achtzig Jahren seit denen sie hier waren, erheblich gelitten. Die Lichteinwirkung, die hängende Aufbewahrung und die Bewegung durch den Luftzug hatten ihnen arg zugesetzt. Immer wieder musste der Mesner schwarze Fahnenreste und Flusen vom Boden auflesen.

Einige Fahnen gelangten daher in die Werkstätten des Landesamtes für Denkmalpflege und wurden dann in die Ansbacher Residenz gebracht, andere ins Markgrafenmuseum. Neben den markgräflichen Trauerfahnen gehören zu dieser Sammlung auch die Fahnen des Jakob Hüffel, eines markgräflichen Obervogts und Landschaftsdirektors, sowie des Krafft von Crailsheim, eines geheimen markgräflichen Rates und Obervogts. 

Damit kommen wir ins Jahr 2005. Im Februar 2005 sind Sie, lieber Herr Pfarrer Käpplinger, mit der Bitte an die Regierung von Mittelfranken herangetreten, die Eigentumsverhältnisse an den Fahnen klären zu lassen und nach einer Möglichkeit zu suchen, sie nach einer Sanierung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sicher kein alltägliches Anliegen. Bei meinem Vorgänger im Amts des Regierungspräsidenten, Herrn Karl Inhofer – auch 1. Vorsitzender des Historischen Vereins für Mittelfranken -, traf Ihre Anfrage auf offene Ohren. Er erkannte sofort die Bedeutung der Fahnen für die fränkische Geschichte und Iden-tität und bat seine Mitarbeiter, der Geschichte der Fahnen und der Möglichkeit ihrer Sanierung nachzugehen. Gegenüber der Staatsregierung hat er die Angelegenheit dezent aber stetig immer wieder in Erinnerung gebracht hat. Ohne seine Ausdauer wären wir heute nicht hier.

Dass der Einsatz von Regierungspräsident a. D. Inhofer auf fruchtbaren Boden fiel, ist insbesondere auch dem Amtschef des Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Ministerialdirektor Dr. Friedrich Rothenpieler, zu danken. Er hat sich dafür eingesetzt, dass die Fahnen in seinem Ministerium ein Thema sind und die erforderlichen Mittel bereit gestellt werden.

Bei der Suche nach einer geeigneten Lagerstätte für die Totenfahnen erwies sich die Gruft St. Gumbertus als zu feucht und ein Turmzimmer als zu eng. Nur die Kirche St. Gumbertus selbst zeigte sich durch ihre Klimatisierung und gute Zugänglichkeit geeignet. Ein eigens gebauter Schrank ermöglicht hier jetzt gleichzeitig Belüftung, Lichtschutz und Flachlagerung. Außerdem ist es möglich, jährlich wechselnd immer eine der Fahnen unmittelbar zu betrachten. Auf der Empore vor dem Fürstenstand ist durch erläuternde Texte und Grafiken ein kleiner Erinnerungsbereich entstanden, der mit der Gruft unter der Schwanenritterkapelle auch den nötigen Bezug zum Totenkult aufweist. So sind die Fahnen nach einer Irrfahrt von vierzig Jah-ren wieder von Gumbertus nach Gumbertus gekommen.
Was aber ist nun das Besondere an diesen Fahnen?

Zum einen die reine Tatsache ihrer Existenz. Ein nahezu kompletter Fahnen-Zyklus wie der hier vorliegende, der so viele Anspruchsgebiete eines Herrschers umfasst, wird vom Germanischen Nationalmuseum Nürnberg als bedeutendes und seltenes „Sachzeugnis textiler Funeralkultur“ bezeichnet. Den archivalisch belegten Trauer- und Grabfahnen stehen heute nur noch wenige Realien gegenüber. Vergleichbare Originalfahnen gibt es lediglich noch im Historischen Museum Bern sowie vereinzelt als adelige Totenfahnen in der Schweiz und Polen. Als „Besonderheit und Glücksfall der Ansbacher Fahnen“ wird die Dokumentation des historischen Gebrauchs in Zeichnungen, Stichen und Beschreibungen der markgräflichen Bestattungen angesehen. Auf Zeichnungen und Kupferstichen sind sogar die einzelnen erhaltenen Fahnen zu identifizieren.

Die Fahnen haben auch eine bedeutsame historische Dimension. Sie sind Dokumente aus den Nahtstellen zwischen zwei Regierungsperioden. Sie repräsentieren die Ansprüche des Fürsten für den Fall, dass er in die Erbfolge des Hauses Brandenburg eingetreten wäre. Man folgte damit einer zunächst mittelalterlichen Übung, die Belehnung eines Herrn mit einem bedeutenden Lehen durch die Übergabe einer Lehensfahne, die das Wappen der verliehenen Herrschaft trug, zu symbolisieren. Im Spätmittelalter entwickelte sich der Brauch, diese Fahnen auch beim Trauerzug in Form von Trauerfahnen mitzuführen.

Die Totenfahnen sind interessante Stücke einer uns heute fernen Begräbnis- und Trauerkultur. Sie strahlen noch immer Würde und Gravität aus. Wenn man sich vorstellt, wie sie auf den Leichenumzügen mitgeführt wurden, wie sie im Wind knatterten und der Ruhe des Leichenzuges den Grundton der Vergänglichkeit des Lebens gaben, aber auch die feste Melodie vom Fortbestand der herrschenden Ordnung, so sind sie als Teil einer wichtigen Inszenierung erkennbar, die sowohl geistlichen wie weltlichen Zwecken diente. Sie gaben der Trauer ebenso Ausdruck wie der Endgültigkeit und der Unwägbarkeit des Lebens. Der Untertan mag daraus den Zuspruch einer Beständigkeit geschöpft haben, dass auch nach dem Tod des regierenden Fürsten die Ordnung, überhaupt das Staatswesen an sich, einen Fortbestand hatten.

Die Fahnen sind ein weiterer Ausdruck der sechshundert-jährigen Geschichte der Hohenzollern in Franken und damit Teil der Geschichte dieses Landstrichs und so auch Vorläufer des Freistaates Bayern. Ihnen schuldet er als Rechtsnachfolger und Nutznießer der erworbenen Güter den Respekt, dass diese Fürsten in teilweise schwierigen Zeiten Verantwortung für ihr Herrschaftsgebiet übernommen haben – denken wir nur an die Pestwellen oder den Dreißigjährigen Krieg. 

Ich danke heute allen beteiligten Stellen und Personen, die dazu beigetragen haben, dass diese historisch wertvollen Fahnen nun in restaurierter Form und in einem öffentlich zugänglichen Rahmen zu sehen sind und dass die dafür aufgewendeten 95.000 € gut und zielgerichtet eingesetzt wurden. Insbesondere gilt mein Dank dem Landesamt für Denkmalpflege unter der Leitung von Prof. Dr. Greipl und hier besonders Herrn Gebietsreferenten Michael Habres und Frau Textilrestauratorin Anna Szubert (sprich: Schubert) für die fachliche Begleitung. Ich danke dem Staatlichen Bauamt Ansbach mit Herrn Ingenieur Manfred Mohr und Herrn Baudirektor Jürgen König sowie den Mitarbeitern der Regierung von Mittelfranken insbesondere Herrn Walter Leuner und Herrn Martin Stumpf für die Federführung. Ich danke Textilrestauratorin Magdalena Verenkotte-Engelhardt und Gemälderestauratorin Corinna Meier, die die Ausführung übernommen haben. Nicht zu vergessen der Gemeinde St. Gumbertus und Ihnen, lieber Pfarrer
Käpplinger für die Initiative sowie allen Verantwortlichen für die gemeinsame Aktion. 

Mein letzter Dank heute geht an Herrn Kirchenmusikdirektor Rainer Goede und Frau Sabine Rusam, die die Präsentation musikalisch umrahmen. Sie hören wir jetzt gleich noch einmal. Danach bitte ich Pfarrer Käpplinger und Generalkonservator Dr. Greipl um ihre Grußworte sowie um die Ausführungen von Frau Textilrestauratorin Verenkotte-Engelhardt. Abschließend können wir in kleinen Gruppen nach oben gehen und uns die Fahnen genauer besehen sowie Fragen stellen. Sollten Sie es eilig haben, können Sie zu einem späteren Zeitpunkt im Rahmen von Führungen, die Stadt und Kirchengemeinde anbieten werden, die Fahnen auch zukünftig besichtigen.

Danke noch einmal für Ihr Kommen und Ihr Interesse.

Grußwort zur Präsentation der restaurierten Totenfahnen von Pfarrer Friedrich Käpplinger, 30. März 2011

Sehr geehrter Herr Regierungspräsident, Herr Professor Dr. Greipl, liebe Gäste, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Die offizielle Präsentation der restaurierten Markgrafenfahnen aus den Leichenkondukten markgräflicher Zeit, ist für mich zu allererst ein Anlass zum Dank. Und das in mehrfacher Hinsicht. 

Ihnen Herr Regierungspräsident Dr. Bauer danke ich sehr, daß sie den Abschluß der Restaurierungsmaßnahmen mit einer solch großen Einladung und einer offiziellen Feier würdigen. Die Fahnen entsprechend wertzuschätzen war schon sehr lange mein Wunsch. Es hätte ja auch ganz anders sein können. Zum Beispiel so, daß die Restaurierungs-Maßnahme einfach ab- geschlossen worden wären und niemand hätte etwas davon gemerkt. Außer den unmittelbar Beteiligten und denen, die die Finanzierung übernommen haben. Jahre, ja jahrzehntelang sind die Fahnen eben so behandelt worden: keiner hat sie beachtet. Vor 40 Jahren hat man sie, weil man scheinbar doch noch eine Spur von Achtung spürte, nicht gänzlich entsorgt, sondern sie nebenan in die nicht minder vernachlässigte feuchtkalte Georgskapelle gelegt; die war damals auch gänzlich unbeachtet; sie dienste als Abstellraum, so etwas wie eine Rumpelkammer. Dabei hat schon vor mehr als 100 Jahren der Kunsthistoriker Julius Meyer von der hohen Bedeutung und dem geschichtlich nahezu einmaligen Wert der Fahnen geschrieben. 
Zum anderen ist dem ehemaligen Regierungspräsidenten, ihrem Vorgänger Herr Dr. Bauer, vor allem zu danken. Unvergeßlich ist mir jene Begegnung mit Regierungspräsident Karl Inhofer am Rande einer Ausstellungseröffnung vor 6/7 Jahren. Wir sind damals ins Gespräch gekommen nicht nur über das zu jener Zeit besonders herausfordernde Projekt Wiegleb-Orgel, bei dem – und auch das will ich hier erwähnen – ich die uneingeschränkte Unterstützung des Herrn Regierungspräsidenten erfahren konnte. Ich fand offene Ohren auch für das Thema Fahnen. Mehr noch, Herr Inhofer hat sich über einen langen Zeitraum derart massiv und ausdauernd für die Restaurierung und deren Finanzierung eingesetzt, daß ihm nichts aus großer Dank gebührt.
Mein dritter besonderer Dank gilt Herrn Jörg Kutzer, ehemaliger Abteilungsleiter der Bauabteilung der Regierung von Mittelfranken. Lange waren die Eigentumsfragen der Totenfahnen sehr strittig. Gehören sie St. Gumbertus, dem bayerischen Freistaat, oder noch anderen Institutionen? Gehören sie Privatpersonen? Von der Klärung dieser Frage hing aller weitere Fortgang ab. Nun hat sich Herr Kutzer in akribischer Weise um Quellenforschung im landeskirchlichen Archiv unserer Kirche in Nürnberg verdient gemacht. Da zwar das Gestühl, der Altar, Kerzen und noch vieles mehr zu finden war, aber kein einziger Hinweis auf Kosten im Zusammenhang der Fahnen, mußte klar sein, daß die Objekte nicht Eigentum der St. Gumbertuskirche sind. Auch wenn die Fahnen bereits im Jahr 1857 sehr deutlich vom Bayerischen Nationalmuseum gewünscht worden waren, so hat doch damals das Gumbertuspfarramt solch ein Ansinnen abgelehnt. Die Abgabe der Totenfahnen erschien „dem verehrlichen Pfarramt unthunlich“. Herr Kutzer, herzlichen Dank für ihre Hilfe.

Die Totenfahnen aus den Leichenkondukten markgräflicher Bestatungszeremonien sind nicht nur in sich kostbar und wertvoll. Sie halten die Erinnerung aufrecht, wie vor uns mit Sterben, Tod und Beerdigung umgegangen worden ist. Sie sind wir Frau Dr. Zander-Seidel vom GNM geschrieben hat, „ebenso bedeutende wie seltene Sachzeugnisse textiler Funeralkultur“. Solche Erinnerung ist uns wichtig. Sie ist sogar nötig. Die Fahnen hier in St. Gumbertus direkt an und zur Schwanenritterkapelle gehörend vervollständigen die Erinnerungsstücke einstiger Bestattungsriten. Alexander Heideloff hat diese Schwanenritterkapelle im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts zur Gedenkkapelle an den Schwanenritterorden ausgestattet. Die Fahnen schmückten die Seitenwände. Noch heute stehen die Vortragekreuze hier an den Brüstungen des Chorgestühls und seit Mitte der 70iger Jahre ruhen die Särge der jüngeren Linie der Markgrafen Brandenburg-Ansbachs direkt unter uns in der Markgrafengruft. Alle Stücke zusammen dokumentieren die Einheit der Bestattungskultur des 17. und 18. Jahrhunderts. Auch deren Wandel. Man muß dazu nur den Prunkarkophag Friedrich Wilhems mit dem seines Sohnes Carl Wilhelm Friedrichs vergleichen. Zu dieser Kultur des Umgangs mit Tod, Sterben und Trauer gehört auch das Bewußtsein damaliger Zeit, im christlichen Glauben tief verwurzelt zu sein. Sakrales und profanes Empfinden mögen in heutiger Zeit vielleicht unterschieden, sie sollten aber nicht getrennt werden. Für die Markgrafen und ihre Zeit gehört beides eng zusammen und bedingt sich wechselseitig. Die beiden Regierweisen Gottes, wenn man mit Luther argumentieren will. Ansbacher Markgrafen haben sich als Mitglieder ihrer Kirche gewußt. Mehr noch sie haben sich verantwortlich gezeigt für ihre Kirche und das ihre dafür getan, daß christlicher Kultus wie christliches Leben von Anfang bis zum Ende das Leben durchdringen und prägen. Nicht umsonst und auch nicht unbegründet bin ich schon bald nach meinem Dienstanfang hier in Gumbertus darauf aufmerksam gemacht worden, daß sich der süddeutsche Protestantismus Ansbacher Markgrafen verdankt. Das war mal?
Nein, das ist nicht ferne Vergangenheit. Das zeigt sich bis heute z.B. hier an dieser Kirche. Es zeigt sich erneut aufs Deutlichste an den restaurierten Fahnen. Es zeigt sich in der dieser Kirche so guttuenden Verantwortlichkeit der Nachfahren der einstigen Markgrafen. 
Ich danke also sehr für die erneute Bestätigung der Zusammengehörigkeit und freue mich über den Abschluß der Restaurierungsarbeiten, die die Fahnen für Dauer in der Nähe zu den Särgen und dem sakralen Ort, eben der Schwanenritterkapelle der ehemaligen Stifts- und Hofkirche bewahrt. So wie es schon am Anfang war und jetzt ist und hoffentich bleiben wird.